ICRP65 vs. ICRP137 – Radonbewertung in Deutschland und Europa verständlich erklärt
Die Bewertung von Radonexposition entwickelt sich weiter – insbesondere durch den Übergang von ICRP65 zu ICRP137. Für Fachpersonen stellt sich dabei eine zentrale Frage:
Welcher Ansatz gilt aktuell – und was bedeutet das konkret für die Praxis in Deutschland?
Dieser Beitrag gibt eine kompakte, wissenschaftlich fundierte und praxisnahe Einordnung.
Inhaltsverzeichnis
- ICRP65 vs. ICRP137 – Die Grundlagen
- Der zentrale Unterschied
- Was gilt aktuell in Deutschland?
- Entwicklung in Europa
- Bedeutung für die Praxis
- Fazit
- FAQ
ICRP65 vs. ICRP137 – Die Grundlagen
Die International Commission on Radiological Protection (ICRP) hat zwei grundlegende Ansätze zur Bewertung von Radonexposition veröffentlicht:
ICRP 65 (1993)
- epidemiologischer Ansatz
- basiert auf Lungenkrebsrisiken (z. B. Bergarbeiterstudien)
- praxisnah und lange etabliert
ICRP 137 (2017/2018)
- dosimetrischer Modellansatz
- berücksichtigt physikalische und biologische Prozesse
- detaillierte Betrachtung von Aerosolen, Atemwegen und Ablagerung
Der zentrale Unterschied
Die beiden Ansätze unterscheiden sich grundlegend:
ICRP65 → risikobasiert
ICRP137 → modellbasiert (dosimetrisch)
Das führt dazu, dass identische Radonkonzentrationen zu unterschiedlichen Dosisbewertungen führen können.
👉 In vielen Fällen resultieren aus ICRP137 höhere Dosisfaktoren.
Was gilt aktuell in Deutschland?
In Deutschland steht nicht die Dosis, sondern die Radonkonzentration im Fokus.
- Referenzwert: 300 Bq/m³ (Jahresmittelwert)
- gesetzlich verankert im Strahlenschutzgesetz
Für spezielle Arbeitsplätze erfolgt zusätzlich eine Dosisabschätzung auf Basis der Strahlenschutzverordnung (Anlage 18).
👉 Wichtig:
ICRP65 oder ICRP137 werden nicht direkt als Standard benannt – sondern über nationale Umrechnungsfaktoren abgebildet.
Fazit für Deutschland:
👉 Fokus bleibt auf der Messung der Radonkonzentration
Entwicklung in Europa
Auf europäischer Ebene zeichnet sich ein klarer Trend ab:
- EU-Empfehlung (2024): Nutzung neuer Dosisfaktoren
- Viele Länder setzen ICRP137 bereits um oder planen dies
- Nordische Länder (z. B. Schweden, Finnland): klare Orientierung an ICRP137
👉 Gleichzeitig bleibt auch dort im Wohnbereich oft die Konzentration der wichtigste Bewertungsparameter.
Bedeutung für die Praxis
Für Fachpersonen ergeben sich daraus wichtige Konsequenzen:
- Unterschiedliche Bewertungsmodelle erschweren die Vergleichbarkeit
- Dosisangaben sind stärker modellabhängig
- Internationale Projekte erfordern klare Einordnung
Gleichzeitig bleibt unverändert:
👉 Der Jahresmittelwert der Radonkonzentration ist die zentrale Entscheidungsgröße
👉 Langzeitmessung durchführen
📩 Beratung: kundendienst@radonova.de
Fazit
Deutschland:
- Konzentrationsbasierter Ansatz (300 Bq/m³)
- Dosis nur ergänzend relevant
Europa:
- zunehmende Orientierung an ICRP137
- höhere Bedeutung der Dosisbewertung
Einordnung:
👉 Die Messung bleibt konstant – die Bewertung entwickelt sich weiter.
FAQ – Häufige Fragen
Was ist der wichtigste Unterschied zwischen ICRP65 und ICRP137?
ICRP65 basiert auf epidemiologischen Daten, ICRP137 auf physikalischen Modellen.
Welcher Standard gilt aktuell in Deutschland?
Deutschland arbeitet mit nationalen Regelungen (Strahlenschutzverordnung), nicht direkt mit ICRP65 oder ICRP137.
Ist ICRP137 genauer?
Ja, aber auch komplexer und stärker modellabhängig.
Was ist entscheidend für die Praxis?
Der Jahresmittelwert der Radonkonzentration bleibt die wichtigste Grundlage.
Wird sich Deutschland anpassen?
Eine Annäherung ist möglich, wird aber derzeit noch diskutiert.
Fazit für die Praxis:
👉 Nicht das Modell entscheidet – sondern die Qualität der Messung.





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